Der Brief, den du geschrieben...

 

Der Brief, den du geschrieben,

er macht mich gar nicht bang;

du willst mich nicht mehr lieben,

aber dein Brief ist lang.

 

Zwölf Seiten, eng und zierlich!

Ein kleines Manuskript!

Man schreibt nicht so ausführlich,

wenn man den Abschied gibt.

 


(* 13.12.1797, † 17.02.1856)

Memory's not life

And it's not love

Zartschmelzende Erinnerungen auf heißem Herz

Reumütige Verkitschung

Der Vergangenheit und unsagbarer Schmerz

Reaktionäre Vergangenheitsbewältigung im Kampf mit der eigenen Verlassenheit

Sterben für den einen Kuss der verlorenen Zeit

(c) Miriam Gil

Rostbraune Dächer im Nebel 

Eiskalter Wind pfeift 
Du wärmst meine Hand


(c) Miriam Gil

Grafing Bahnhof 

Goldene Weizenfelder erstrecken sich neben dem Kiesweg
Der Mais steht hoch und Insekten schwirren in schwarzen Wolken über meinem Kopf
Der Spätsommer riecht nach gemähtem Gras und die Blätter erstrahlen tiefgrün
Das griechische Restaurant verströmt seinen Duft bis hinüber zu den Gleisen
Der Bus schleicht gemächlich auf der bröckelnden Teerstraße zwischen den Ortschaften
Keine Straßenlaternen säumen den Weg und die Luft wird abends kalt

(c) Miriam Gil

Auf dem Land

Auf dem Land fahren keine Autos, nur wenige Menschen bald
Ich überquere die Straßen wo ich möchte und laufe durch den Wald
Die Tannen und Laubbäume zeichnen Schattenspiele auf den Kiesweg, 
Ich gehe schneller und bald sind auch die Häuser schon weg
Meine Freunde begleiten mich; unterstützen und erheitern mich
Angekommen am Platz breitet man die Decke aus
Geht erst am Abend wieder heim und ruht sich gemeinsam in der Sonne aus. 

(c) Miriam Gil

1. Schwarze Wolken der Erinnerung

Hier ist keine Liebe - die Leichname der Engel tanzen auf den schwarzen Wolken der Erinnerung.

Sie rauchen Zigarre und wähnen sich ihren Männern nahe -

gefallene Tote auf den Hügeln des Krieges der Welt.

Schwarzer Dunst über den Schreien der Sehnsucht -

Kälte in den Federbetten der Knaben und quälende Angst in den Fratzen der Mädchen.

Am Horizont der Traurigkeit Blicke des Todes -

Raben verschwimmen im Dunkel der Nacht und legen ein Goldstück auf die Schiene der Vergänglichkeit.

Sie laben sich an einem faulen Apfel und erheben sich elegant in den Himmel der Brüder und verlorenen Väter. Und Schwestern singen die Lieder der Liebe und fallen zu Boden der Leidenschaft in Umarmung mit Freunden und Seelen der auf Erden verweilenden Geister.

Frost in der Höhle der Schlange - unerträgliche Hitze in den Bergen der Diamantengräbern.

Stille bei den Liebenden. Sich Küssend und Wiegenden.

Stolze Frauen schreiten den Abgrund hinab - passen die Lanzen der Ungerechtigkeit ab und verschmelzen in ihrem hitzigen Traum mit dem in der blutbefleckten Abendsonne silbern-schimmerndem Meeresschaum.

Sich bekämpfende Völker erstarren vor der Schönheit der Jungfräulichkeit - legen die Waffen nieder und verfallen in besoffene gemeinsame Heiterkeit.

Stolz, Vorurteil und Eitelkeit ertrinken im Rausche der sanft auf dem Boden der Geschichte abgelegten Feigheit - Einigkeit über das Leben - nach Neuem streben.

 

 

Die bunten Fassaden bröckeln neben Starkstromkabeln und Elektrokästen - holprige Kieswege führen auf Kopfsteinpflaster - daneben Löwenzahn, Brennessel. 
Vereinzelt Feldblumen blau und rot. Mohn. 
Viel Futtermais. Dicke Kühe mit strähnigem Haar. 
Chlorschwaden vom Freibad - Graffiti. 
Edelstahl spiegelt sich im blauen Wasser.

(c) Miriam Gil