Lyrik

"Ständig sterben Welten – fallen Bomben nieder, passieren Sachen, knallt irgendwo der Himmel runter."
Text und Bild (c) Miriam Gil

Parthenope und der Sirenen vielen Tode

"Denn dann dreht das Rad sich nicht mehr weiter
und das heitre Spiel, es unterbleibt
wenn das Wasser endlich mit befreiter
Stärke seine eigne Sach betreibt."

Seit Urgedenken sagt man den Sirenen nach, Sie würden Selbstmord in den Fluten der sie umgebenden rauen Gewässer begehen, gelänge es Ihnen nicht mit Ihren als betörend geltenden Gesängen die vorbeifahrenden Schiffe samt Besatzung in den Tod hinabzustürzen.

Gefunden hat man solch einen Leichnam jedoch niemals.

Wenn sie wirklich sterben, dann haben sich oft Furchen gebildet in den so schönen Antlitzen, – Knoten in den Eingeweiden – sich tief eingefressene Spuren auf den Wangen und sie können sich nicht mehr erinnern, wie oft Sie am Wasser gesessen sind und sich selbst stumm ihr eigenes Leid geklagt haben.

Von Zeit zu Zeit verfangen sich nur einsamen Fischern vereinzelt diese wundersamen Gestalten in ihren Netzen, wenn sie alleine und erschöpft vom Tage im Mondschein auf ihre ihrer Kräfte Geschick vertrauten, ewig brausend und schäumenden, mitunter auf Grund starker Winde tobenden Arbeitsstätte hinausblicken, bevor sie versuchen ein paar Stunden zur Ruhe zu kommen.

Knaben mit schmalen Schultern bargen gebrochene Herzen, eingeschlagene Schädel, angebrochene und zertrümmerte Rippengeflechte - tief unten in den Mägen der Geschöpfe, welche durch ihren Talg dann oben die Dochte erhellten.

Vielleicht ist es vielmehr so, dass diese Wesen hinauf zur Oberfläche schwimmen, wenn ein Bootsrumpfschatten weit oben über Ihnen hinweggeht und Sie den Seeleuten wie auch immer artikulierte Zeichen geben um deren gestählten Körper aus dem Gefahrengebiet sicher hinaus manövrieren zu können.

Vielleicht
erscheinen die unzähligen Raketen und Drohnen am Himmelsgewölbe des Kriegsgeschehens den hübschen Wesen da unten lediglich wie ein weit entferntes Feuerwerk, einfach nur interessant und schön anzusehen, eine kleine Abwechslung zu den wenigen und nur manchmal fluoreszierenden Gebilden und dem nicht immer bis ganz hinab drängendem Licht der Sterne, der Sonne und des Mondes.

Angst werden sie wohl nicht haben.
Denn falls doch einmal ein Kriegsgerät bis weit hinab auf den Meeresgrund taumelt ist es längst erloschen und kalt.
Ein Stück unbrauchbarer Müll – Schrott, -Kriegsscheiße, dessen scharfe Kanten bald mit weichen Flimmerhärchen der Algen überzogen sind und nachdem Niemand sucht.

Gar wenn ein ganzer Planet erlischt und steil und schnell hinabsaust direkt auf die harte Wasseroberfläche wird diese Heimat von Leben, diese Welt vom Nass abgebremst und tänzelt wie eine schwereloser, mit Luft aufgeblasener Wasserball in Globusform immer langsamer in die dunkle Tiefe, bis er im Schlamm zur Ruhe kommt und hoffentlich erst einmal kein bis wenig Unheil mehr anrichten kann.

„Was ich aber zu Wasser misse, dies sind die warmen Tränen.“
denkt Parthenope eines Tages bei sich.

Ganz bei sich, so wie alle Menschen, auch die Kleinsten und scheinbar Behütetesten irgendwo und überall manchmal heimlich weinen um Druck abzulassen und nur die verquollenen Äuglein am nächsten Tag der Welt noch Zeugnis ablegen.

„Stimmt es denn, dass irdischen Geschöpfen die Salztränen warm über die Wangen rinnen?“
Ja, Parthenope das stimmt.
Ja. In starken Intervallen und Krämpfen können diese warmen Tropfen jedoch auch die Herzen schwächen, -ihre Nebenflüsse können Dich meinen lassen ersticken zu müssen, weil sie dir die Nasenlöcher verkleben und sie können dazu führen, dass Du meinst dein Schädel platzt, wenn Du nicht weißt sie in Rhythmus zu überführen, der mit dem restlichen Zittern und Beben deiner Organe und Gliedmaßen auch nur halbwegs einen übereinstimmenden Tanz einzugehen weiß.

Oder auch nur eventuell schon einmal geglaubt hast, dies gekonnt zu haben.

Dies eben schon einmal so empfunden hast und es meinst so zu vermissen, dass sich in Dir was verknotet.

Es nicht mehr kennst und diese Erfahrung doch noch in Dir schlummert, wie ein Traum aus uralter Zeit.

„Was ist denn dafür ein Motiv, was sind denn Zäsuren in solch schrecklichen Gesängen?“
denkt Parthenope nun weiter laut bei sich und in Gewohnheit sprudeln gesungene, helle Verse aus ihrer zarten Kehle hervor:

Long afloat on shipless oceans
I did all my best to smile
′Til your singing eyes and fingers
Drew me loving to your isle

„Wir wissen es nicht so genau, Parthenope.“ ertönt Geflüster von versteckten Chören nun aus der Ferne.

Es sind immer Einschnitte, Zensuren von Wünschen und Vorstellungen, Träumen nach dem sogenannten Seelenwohl.

Manchmal auch Mord, Totschlag oder eben ganz viel Gewalt.

Es ist ein Warten auf Etwas
Jemanden, dass auch ganz alleine ohne Dich Sauerstoff in seine Lungenflügel bläst oder der Dich längst so weit vergessen, dass deine Erscheinung immer weniger Bedeutung hat, an farbenfroher Strahlkraft samt Kontur in dessen Universum verblasst oder gar schon nicht mehr oder nur schwer erinnerbar.

Ständig sterben Welten – fallen Bomben nieder, passieren Sachen, knallt irgendwo der Himmel runter.

Wie kannst Du erwarten, dass Leinensäcke in die Fluten geworfen werden, wenn deren Träger sich gerade erst die Schuhe zugeschnürt?

Wirst Du jemals Kinder gebären Parthenope, unterschätze niemals auch deren Fähigkeit zu wissen, wenn das Gebälk zum Einsturz droht.

Das Tamburin in deinen Armen

Wenn ich hier laufe ist es fremd –
Im Moment hab ich nur wenig, - kein Geld und wenig Möglichkeit, kein feines Hemd.
Sie starren, glotzen, grenzen aus, sprechen falsch und dumm –
Mit noch mehr Inbrunst, Eifer, Engagement von hintenrum.
Hab es gemacht Dir zu beweisen:
Eine Decke, Essen, Kaffee, Tee und Wasser, meine Sprache, meinen Ausdruck
Meine Freundschaft, mein Gehör und meine mir gewohnten Ausdrucksweisen - die möchte – würde ich sehr gerne zeigen.
Mit Dir teilen.
Bring mir eine Tasche – pack mich ein und uns dann weg.
Kommunikation wie wir es wollen – ohne diese nationale Scheiße, -ohne „Integration“ – ohne diesen Dreck!
Du bist so freundlich, liebenswert und interessant – schon jetzt wünsche ich mir inständig, ein unangenehmes Gefühl Dir beigebracht sei Dir am Allerliebsten unbekannt.
Du bist ein sanfter Musikant.
Ich möchte merken magst Du etwas sagen –
Dich darin bestärken – Dich kennenlernen –mehr noch wissend merken und dann auch was Fragen.
Mal was sagen.
Würd Dich am allerliebsten wie einen weichen Stoff,
einen Pullover, eine Hose - gute Schuhe oder ein Bild vom klaren, weitem Himmel tragen.
Ich mag es Hören oder Lesen– wenigstens versuchen zu verstehen – Dich so gerne zwischendurch mal lächeln sehen.
Hab keine Angst -Ich pass schon auf und merke viel.
Du tanzt mit deinen Sinnen zu dem Lied, indem Du zuhörst, atmest, -reagierst.
Du wirst durchdrungen von der Klage und dem Schmerz –
erkennst auch Kraft, die Freude, Lebenslust.
Je nach Stil und Melodie
Grammatikregeln, Gängelei, nationale Idiotie.
Braucht man nicht.
Für sowas nicht. Noch nie.
Das Tamburin in deinen Armen
Das will ich wieder spüren. So hab ich Dir geschrieben –
ein paar wenige Wörter meiner Sprache in eine Dir vermeintlich vertraute Ordnung reingetrieben.
Ich sehe mich schon Dich umarmen – Dich wieder mal zu sehen - Dir meine Wärme geben.
Mein Instrument schlägt langsam an – am Anfang neu, nicht schrill-gewohnt, nicht lauthals grell.
Es sind Zeilen, Noten die sich wiederholen.
Nur ein bisschen anders – schön.
Ganz klar, sehr deutlich. Unverhohlen.
Ob Dir was schmeckt - das sehe ich.
Deine Augen wie ein ruhiger, tiefer See - oder Blicke schwirrend, versuchend sich gar zu entziehen.
An dieser Stelle muss man sagen: das merkt man doch mit jeder und mit allen Muttersprachen.
Mit allen Alphabeten oder keinem im Genick –
anders ist es halt gelogen.
Borniert, einfältig – nicht elegant, nicht fein.
Ignorant und ungeschickt.

 

Du kennst die Tür zu meiner Seele.
Wann kommst du vorbei?
(c) Miriam Gil

Im Allgemeinen ist es trist (erster Corona_Sommer) 
Tropische Nächte der Einsamkeit
Blühende Bäume am Rande des Parkes
Depressionen in der Krise
Zahlreiche Probleme
Heiße Luft über aufgeheizten Teerstraßen.
In den Gassen Blindschleichen neben vereinzelten Tauben.
Dann viel Regen.
Vielleicht
Können die Freunde am Rande der Stadt

Die Sterne erblicken.
Vielleicht.

Flirrende, unerwartete Kälte

Wintereinbruch im April

Eisblumen und Schnee auf der Mülltonne

Ich sehn mich so nach Sonne! 

In Ruinen schlafen  (Liebesbriefe aus Jugoslawien) 

 

Ja.

Mit Dir wollte ich dies wirklich mal tun.

Um ehrlich zu sein: mit Dir wäre ich eigentlich erst einmal überall hingegangen.

Und nun?

Wie geht`s Dir?

Hast du auch viel zu tun?

Bist du zufrieden?

 

Wart ihr schon im Honeymoon? 

Hast Du jetzt 20 Kinder gemacht? 
Hast Du eine ganze Armee an hübschen Töchtern
Söhnen

Haben Sie Locken, sind sie schon groß? 

Sind sie verteilt und verstreut auf der ganzen Welt? 

Schreiben Sie Dir manchmal? 

Warst Du für sie da? Hast Du sie freiheitlich erzogen? 




Am Abend

wenn man sich tut verzehren.

Wenn Stille und Erschöpfung langsam einkehren.

In der leeren Wohnung

*manchmal dann

Trübsinn sich tut vermehren. 

 

Regentropfen

Klopfen an mein Fenster
Sie trommeln sanft an der Scheibe und ich denke mir,
wie es früher einmal war: güldene Blüten verzauberten die Landschaft und die warmen Sommerabende schienen nicht enden zu wollen.
Der Winter ist fast vorbei und ich träume von einem warmen Gewitter.
Donner und Blitz begleiten mich auf dem Weg nach Hause
Nasse Haare kleben auf meiner Stirn und ich renne in Sandalen
Fast rutsche ich aus und ich stelle mich unter ein Vordach des Nachbarn
Die Blumen verströmen einen starken, süßlichen Duft, die Blüten glitzern in der Feuchtigkeit
Die Insekten verstecken sich vor der Himmelsgewalt
Ich renne nach einer kurzen Pause einfach weiter – mache an keiner Ampel halt.


While you're far away, I puzzle you a little. While you're far away.
I miss you - desire you.
Feel you and your presence as a breath on my neck.

Feel you when I lie down in the evening and take the blanket.

And at some point you will get closer. Come closer...

Memory's not life

And it's not love

Zartschmelzende Erinnerungen auf heißem Herz

Reumütige Verkitschung

Der Vergangenheit und unsagbarer Schmerz

Reaktionäre Vergangenheitsbewältigung im Kampf mit der eigenen Verlassenheit

Sterben für den einen Kuss der verlorenen Zeit

 

Did you have a nice view on a roof terrace over the city lights my prince with the dark soul?

What did you see in the shadow of the tenements and skyscrapers?

Did you hear the homeless scream in the dark of the night?

Have you seen young people smoking pot on the roofs and did the tomatoes on the balconies of the small apartments smell like it was summer?

I am so curious about your impressions my intelligent friend with the watchful eyes.

Hope the stinging cold wind has hugged you as if it were me with warm breath and tender

Rostbraune Dächer im Nebel 

Eiskalter Wind pfeift 
Du wärmst meine Hand


(c) Miriam Gil


Grafing Bahnhof 

Goldene Weizenfelder erstrecken sich neben dem Kiesweg
Der Mais steht hoch und Insekten schwirren in schwarzen Wolken über meinem Kopf
Der Spätsommer riecht nach gemähtem Gras und die Blätter erstrahlen tiefgrün
Das griechische Restaurant verströmt seinen Duft bis hinüber zu den Gleisen
Der Bus schleicht gemächlich auf der bröckelnden Teerstraße zwischen den Ortschaften
Keine Straßenlaternen säumen den Weg und die Luft wird abends kalt

(c) Miriam Gil
Anmerkung: es sind eher Maisfelder :)


Auf dem Land

Auf dem Land fahren keine Autos, nur wenige Menschen bald
Ich überquere die Straßen wo ich möchte und laufe durch den Wald
Die Tannen und Laubbäume zeichnen Schattenspiele auf den Kiesweg, 
Ich gehe schneller und bald sind auch die Häuser schon weg
Meine Freunde begleiten mich; unterstützen und erheitern mich
Angekommen am Platz breitet man die Decke aus
Geht erst am Abend wieder heim und ruht sich gemeinsam in der Sonne aus. 

(c) Miriam Gil


Schwarze Wolken der Erinnerung

 

Hier ist keine Liebe - die Leichname der Engel tanzen auf den schwarzen Wolken der Erinnerung.

Sie rauchen Zigarre und wähnen sich ihren Männern nahe -

gefallene Tote auf den Hügeln des Krieges der Welt.

Schwarzer Dunst über den Schreien der Sehnsucht -

Kälte in den Federbetten der Knaben und quälende Angst in den Fratzen der Mädchen.

Am Horizont der Traurigkeit Blicke des Todes -

Raben verschwimmen im Dunkel der Nacht und legen ein Goldstück auf die Schiene der Vergänglichkeit.

Sie laben sich an einem faulen Apfel und erheben sich elegant in den Himmel der Brüder und verlorenen Väter. Und Schwestern singen die Lieder der Liebe und fallen zu Boden der Leidenschaft in Umarmung mit Freunden und Seelen der auf Erden verweilenden Geister.

Frost in der Höhle der Schlange - unerträgliche Hitze in den Bergen der Diamantengräbern.

Stille bei den Liebenden. Sich Küssend und Wiegenden.

Stolze Frauen schreiten den Abgrund hinab - passen die Lanzen der Ungerechtigkeit ab und verschmelzen in ihrem hitzigen Traum mit dem in der blutbefleckten Abendsonne silbern-schimmerndem Meeresschaum.

Sich bekämpfende Völker erstarren vor der Schönheit der Jungfräulichkeit - legen die Waffen nieder und verfallen in besoffene gemeinsame Heiterkeit.

Stolz, Vorurteil und Eitelkeit ertrinken im Rausche der sanft auf dem Boden der Geschichte abgelegten Feigheit - Einigkeit über das Leben - nach Neuem streben.

 

 


Die bunten Fassaden bröckeln neben Starkstromkabeln und Elektrokästen - holprige Kieswege führen auf Kopfsteinpflaster - daneben Löwenzahn, Brennessel. 
Vereinzelt Feldblumen blau und rot. Mohn. 
Viel Futtermais. Dicke Kühe mit strähnigem Haar. 
Chlorschwaden vom Freibad - Graffiti. 
Edelstahl spiegelt sich im blauen Wasser.

                                                                              (c) Miriam Gil


 

 


Einst ward es so dunkel schon am Tage
Da kam zum alten Baum ein schwarzer Rabe
Er labte sich an faulem Obst
Fand nur im Rausche bisschen Trost
Äpfel, Birnen - Sauerkirschen
Eckes` Likörchen für den schrill röhrend
Hirschen