Studium Generale im Herbst 2019

1. Oskar Maria Graf und seine Freunde in München

Seminarplan Graf
Auf den Spuren eines (Provinz-)Schriftstellers, der Zeuge der Münchner Räterepublik war und mit seinem bekanntesten Roman „Wir sind Gefangene“ein von Historikern anerkanntes Dokument zur bayerischen Zeitgeschichte schuf.
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Oskar hat in den ersten siebzehn Jahren seines Lebens nie gehungert. Das war zur Zeit der Jahrhundertwende - er wurde 1894 geboren - alles andere als selbstverständlich. 
Das unterschied ihn von nahezu allen Proletarierkindern, die später seine Kampf- und Schreibgenossen wurden, aber auch von vielen Kleinbürgern und kleinen Bauern. In der Stadt hat er diese "Erfahrung" nachgeholt. 

Gefangenschaft und Lebenslust (20) 

Gefangenschaft und Lebenslust

ISBN 3-7991-6355-7 

(c) 1987 Süddeutscher Verlag GmbH, München 

In den gewöhnlichen, alltäglichen Geschichten, unter der Oberfläche von Verhaltensweisen, in denen wir uns leicht zurechtfinden und gern - manchmal auch ungern - wiedererkennen, sind die eigentlichen Entdeckungen zu machen. 

Oskar Maria Graf ist heute kein Unbekannter mehr. Seine Romane, Erzählungen und autobiographischen Schriften erscheinen in zwei Werkausgaben, inzwischen sechzehn und zwölf Bände, und als Taschenbücher. Immer mehr Werke werden verfilmt. 

Nachdem er lange genug tot ist und keinem mehr widersprechen kann, wird er auch offiziell geehrt. (...) 

Meine Mutter weinte stets auf meine Lamentationen und sagte verdrossen: "Wenn bloß ein einzig`s mal Ruhe wär." 
Aber - es mußte doch etwas geschehen! Es mußte was geschehen! 

Wir sind Gefangene (27)

 

 

Backstube und Ofen wurden zur rechten Zeit fertig. Aus dem hohen, noch nicht mit Mörtel beworfenen Kamin stieg wieder jeden Tag der dicke Rauch in den Himmel. Unser Vater triumphierte. Die eintreffenden Sommergäste bekamen wie immer in der Frühe die frischen Semmeln und Wecken ins Haus geliefert. Wie neubelebt arbeitete wieder unsere ganze Familie einträchtig zusammen. 

Das Leben meiner Mutter (298)

Graf fühlte sich beim Militär ziemlich einsam. Er kam zwar mit den Zwangskameraden gut aus und war wohlgelitten. "Hier haben mich alle herzlich gern" , schreibt er nach dem ersten Lazarettaufenthalt. Sie zanken viel untereinander, "aber zu mir kommen sie wie Kinder." 
Doch als geistiger Mensch mit seinen Problemen, vor allem in seiner Auseinandersetzung mit dem Krieg, stand er allein.
Er fand nirgendwo draußen einen Gesprächspartner, fast keine Resonanz. Er fühlte sich im Stich gelassen von den intellektuellen, ihm überlegenen Freunden. 

Gefangenschaft und Lebenslust (75)

(...) Sie hatten nicht zusammengehalten, sich nicht gegenseitig vor dem Zugriff des Militärs geschützt. 
Sie hatten sich sogar - die lautesten Pazifisten zuerst - freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet. 
Am Ende des Krieges fällte er das generelle Urteil: 
Die Intellektuellen haben vor dem Krieg und dem Chauvinismus kapituliert. Sie sind dadurch mitschuldig an dem Menschenmord. Sie sind sogar, weil andere auf sie gehört und ihnen vertraut haben, "die größten Verbrecher".
Später kam er immer wieder, sooft er mit Intellektuellen zu tun hatte, auf dieses ihr Versagen zurück. Er verzieh es ihnen nie.

Gefangenschaft und Lebenslust (75)

Gegen jeden Krieg zu arbeiten, sich jedenfalls an keinem Krieg zu beteiligen, diese Konsequenz zog Graf aus seinen Kriegserfahrungen. Als seine Genossen eine rote Armee bildeten und München gegen den weißen Terror verteidigten, war er zwar an vielen Stellen zugegen, aber nur als Beobachter; er rührte keine Waffe an. Als die entschiedensten Kämpfer gegen den Faschismus, nicht wenige Schriftsteller darunter, der Spanischen Republik zu Hilfe eilten, hat er, der in jeder anderen Hinsicht zu den Entschiedensten gehörte, nie mit dem Gedanken gespielt mitzugehen. In große Verwirrung wurde er im Zweiten Weltkrieg gestürzt, als er feststellen mußte, daß der Sieg über Hitlers Schreckensherrschaft nur mit Waffengewalt möglich war. Er hat sich für die kämpfenden Alliierten ausgesprochen (eine aktive Beteiligung wäre für ihn als Staatenlosen sowieso nicht in Frage gekommen), aber mit wesentlich mehr Skrupeln als die meisten Mitemigranten. Daß er schließlich Amerika nicht mit der Waffe verteidigen wollte, daß er sich mit aller Leidenschaft gegen den Vietnamkrieg einsetzte, stand in den Gedanken und Aktionen seiner letzten zwanzig Lebensjahre obenan.

Gefangenschaft und Lebenslust (84)

Aus der Reihe Literaturtipps (II) 

I got to stay forever here - Where their voices I can hear - In the bush in Mexico

B. Traven "Abenteuergeschichten" 

Der weltberühmte Autor B. Traven galt bis zu seinem Tod im Jahre 1969 in Mexico City als der "rätselhafteste Pseudonymus des 20. Jahrhunderts" (...) 

Einer der ersten Bewunderer und Förderer Travens war Kurt Tucholsky: 

"Traven ist ein episches Talent größten Ausmaßes....von der fast unglaublichen Fülle und Dichtigkeit des Witzes, des Humors...Es trifft alles, was er sagt: die Kritik an dieser Zivilisation, der Hieb -alles...das hier ist Arbeiterkunst, Kunst weil sie gewachsen ist und destilliert durch die Persönlichkeit eines großen Erzählers..."Traven! Der deutsche Jack London!"

Ein junger, radikaler Kriegsgegner im schwarzen Mantel und mit derben Gesichtszügen, ein Bäckerssohn aus Berg am Starnberger See, Arbeiter in einer Münchner Keksfabrik, seit einigen Wochen erfolgreicher Schwarzhändler, der Gedichte schrieb und Literaturkritiken für die "Münchner Neuesten Nachrichten", steht jetzt auch gebannt von Eisner und hört ihm zu.Es ist Oskar Maria Graf. Er ist mit seinem Freund da, dem Maler Georg Schrimpf, der das Titelbild zu Grafs erstem Gedichtband "Die Revolutionäre" gemacht hat. "Spruch" heißt ein kurzer Text darin:

"Manchmal kommt es, daß wir Mörder sein müssen,
denn Demut hat uns alle nur geschändet
und Zeit zerfloß uns, von zu vieler Müdigkeit umwölbt.
Qualhart und fronüberbürdet
Knirscht der Soldling des Geschicks
Und wirft sich blind in die strömende Flut
läuternden Triebs
um als wachswunder Büßer wieder aufzustehen
wissend um seine endliche Sendung...."

Volker Weidermann "Träumer - Als die Dichter die Macht übernahmen" Kiepenheuer und Witsch 2017 ISBN 978-462-04714-1

2. Der Existenzialismus bei Camu, Sartre und Simone de Beauvoir


"L'homme est ce qu'il se fait"

 

Da der Mensch durch keine universale Natur gekennzeichnet ist, und er nichts ist, bevor er sich sein Wesen schafft, steht (vor allem in L'Existentialisme est un humanisme) das kreative Moment und das menschliche Handeln im Vordergrund. "In Wirklichkeit kann der Mensch nur handeln; seine Gedanken sind Entwürfe und Verpflichtungen, seine Gefühle Unternehmungen; er ist nichts anderes als sein Leben, und sein Leben ist die Einheit seiner Verhaltensweisen" .

„Das andere Geschlecht“
Simone de Beauvoir und ihr sozialgeschichtliches Sachbuch „Das andere Geschlecht“
Simone de Beauvoir und ihr sozialgeschic
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