Das weiße Rauschen

Ich vermisse meine Jugend 
Entschwand so schnell wie manche Tugend
Wo ist mein Herz geblieben? Möcht auf einer warmen Sommerwiese liegen und dem Wasser lauschen - unverfroren kommt näher ein weißes und gar aggressives Rauschen.

(c) Miriam Gil

My heart is full - my heart is wild
Ausklingender Hochsommer und Ananas Rum mit Eis 
- nie wird es dieses Jahr wieder so heiß
Warmer Gehsteig und schummerig beleuchtete Kneipenschilder - rote Holzbänke im Dickicht neben der Straße - dreckiger Rinnstein, - scharfer Uringeruch auf den Toiletten - Neonreklame für Versicherungen und Tabletten - gegen Depression und Schmerzen - wir schlendern alleine nebeneinander und tragen die fruchtig-erfrischende Liebe im Herzen.

                                                                                           (c) Miriam Gil

Rostbraune Dächer im Nebel 

Eiskalter Wind pfeift durch die Gassen und ich kann mich nicht auf die Umgebung konzentrieren, kann meine Blicke nicht von Dir lassen
Du wärmst meine Hand in deinen Taschen, hast dein Antlitz unter der Kapuze verborgen - wir spazieren und schlender, wandern durch die Sümpfe und Auen. 
- belassen die Sorgen auf den nächsten Morgen. 
Der Himmel klärt auf und die Vögel sausen im Schwarm über unseren Weg, ein Regenbogen erstrahlt zwischen den dunklen Wolken und wir schlendern Richtung Wasser - setzen uns an den Steg und packen die Brotzeit aus - ein schöner Tag am Fluss. 
Am Rande der Stadt. 
Manchmal hält man es in der Wohnung einfach nicht länger aus. 
Danach kommen wir wieder an und schalten das Radio an - Nachrichten aus der weiten Welt. 
Eine große schwarze Krähe pausiert am Fensterbrett 

Rostbraune Dächer im Nebel. 

Feuchtigkeit kriecht durch die Spalten und Ritzen des Hauses
Die Luft schmeckt nach Hafen und Teer
Baustellenlärm übertüncht die vorbeirauschenden Bahnen und LKWs an der Kreuzung

Rostbraune Dächer im Nebel 

(c) Miriam Gil

 

Polnischer Abgang

Schnell zur Türe. 
Einfach weg, einfach raus. 
Das Fest ist aus. 
Ohne Verabschiedung, -ohne Entschuldigung. 
Der Abend ist gelaufen, -ist für mich rum. 
Nichts wie weg und ab nach Hause.
Vorbei an den Gästen 
Aus ist die Sause.

Reim (c) Miriam Gil

Grafing Bahnhof 

Goldene Weizenfelder erstrecken sich neben dem Kiesweg
Der Mais steht hoch und Insekten schwirren in schwarzen Wolken über meinem Kopf
Der Spätsommer riecht nach gemähtem Gras und die Blätter erstrahlen tiefgrün
Das griechische Restaurant verströmt seinen Duft bis hinüber zu den Gleisen
Der Bus schleicht gemächlich auf der bröckelnden Teerstraße zwischen den Ortschaften
Keine Straßenlaternen säumen den Weg und die Luft wird abends kalt

(c) Miriam Gil

Virtuelle Welten verströmen einen süßlichen Duft der Anonymität 
- Gefilterte Fotos verdrehen die Realität - 
Selbstdarstellung vor dem flimmernden Bildschirm 
-der Kasten brummt Tag und Nacht wie ein menschliches Gehirn - 
in der Bahn ist es das mobile, kleine Telefon - 
Ach, so vergeht die Zeit ...
Da bin ich ja schon.

Reim (c) Miriam Gil
Auf dem Land

Auf dem Land fahren keine Autos, nur wenige Menschen bald
Ich überquere die Straßen wo ich möchte und laufe durch den Wald
Die Tannen und Laubbäume zeichnen Schattenspiele auf den Kiesweg, 
Ich gehe schneller und bald sind auch die Häuser schon weg
Meine Freunde begleiten mich; unterstützen und erheitern mich
Angekommen am Platz breitet man die Decke aus
Geht erst am Abend wieder heim und ruht sich gemeinsam in der Sonne aus. 

(c) Miriam Gil

Tümpel voll schwarzem Wasser

Löwenzahn an der Hauswand - grüne Hecken in der prallen Sonne - morscher Holzzaun und bröckelnde Fassade 
- Bocha im Park - Tankstelle beim verlassenen Kino 
- Gleise neben dem Weg, Tümpel voll schwarzem Wasser. 
Volksfest auf dem Platz - Leuchtreklame an dem Imbiss. Steinsee und badende Hunde
Waldweg voll Tümpel mit schwarzem Wasser - Wurzelgeflecht. 
Parkplatzsuche auf dem von Bäumen umsäumten Berg.

Die Säulenweide oder: Der Graf ist im Urlaub

 

Kieselsteine klemmen sich zwischen meine Zehen während ich den Feldweg an Mohnbumen vorbei spaziere - Tomaten duften schon bevor man sie in die Erde setzt - Unkraut kämpft sich durch Straßenteer und wächst in Ranken den Schuppen hinauf - Rote Flecken von Brennesseln -die Weide wird größer und größer - wird unseren Kindern Schatten spenden und nährt sich am Fluß. Wir nehmen Platz an ihren Wurzeln und tun nichts. Einfach nichts - die Flaschen stehen im Wasser und Rauchschwaden verdunkeln die Sonne. Sonnenbrille taucht die Umgebung in ein warmes Orange - Spaziergänger erkennen uns nur schemenhaft 
Der Graf ist im Urlaub.

Die Gassen sind dunkel und Kopfsteinpflaster verleitet zum Stolpern
Ich renne durch die Stadt und Vergehe in meinem Begehren
Nach Dir. Rufe deinen Namen aber finde dich nicht. 
Eine Laterne beleuchtet ein Graffiti, macht Licht. 
Es ist dein Name an der Wand, berühre ihn mit meiner eiskalten Hand.

Reim (c) Miriam Gil

Wolfshunde

Lagerfeuer - Ketchup. Kohle glimmt und Wolfshunde schleichen um den Tisch - Gartenhaus, Gitarre - gelber Mond. Brot mit Knoblauchbutter, Tabak und ein kleines Bier - 
Hier fühl ich mich wohl
Stinkende Klamotten und Ratschen bis nachts um halb vier 
Mit Dir. Und den übrigen - Sommernachtstraum auf dem Dorf 
Wolfshunde starren mit eiskalten Augen weiche ihren Blicken aus 
Spinnen und Fledermaus 
Am Ende des Gartens Blick auf die weiten Felder. 
Morscher Zaun und Schatten der Berge

 

Der Abgrund 

Ein steiler Abgrund verschlingt mich
Ich falle und vermiss dich
Ich stürze und rufe nach Dir
Wie wird mir? 
Ich falle und falle – der Grund kommt bedrohlich näher
Ich kann ohne dich nicht – will nicht mehr. 

(c) Miriam Gil

Dunkelgrüne Baumkrone 
-helle Lichtblitze auf den leicht vergilbten Buchseiten. 
Tropische Nächte und sanfter Kerzenschein neben wehendem Vorhang - weit offene Fenster. 
Kühle Getränken im Schatten der Nacht 
- Grashalme zwischen den Zehen und Blick auf den Mond. 
Lichterketten neben ausgehender Glut - Lagerfeuer und Grill 
Vor dem Geräteschuppen Fackeln und Steinplatte. 
Wilde Gärten. 
Verdreckte Bushaltestelle neben der Weide
Kaputte Straßenlaternen säumen den Weg
Katzen schleichen um die Höfe 
Warmer Teer Landstraße zum See

(c )Miriam Gil 

Im Freibad

Wind fegt durch die Plattenbauten und der verlassene Spielplatz liegt verdreckt zwischen den Fassaden, -Jugendliche liegen auf der Wiese und rauchen Zigaretten. Öffentliches Sonnenbaden. 
Blauer Qualm steigt hinauf - im Hintergrund Fabrikschornsteine –
Schlümpfe und Pommes und Cola; Badeanzüge, -unrasierte Beine.
Taucherbrille am Beckenrand abgelegt und der Wind fegt. 
Durch die Siedlung. Vorbei an den Dunstschwaden; flirrende Hitze. 
Jugendliebe verblasst zu einer schwachen Erinnerung. Schatten streichen dunkel vorüber und tanzen neben den Umkleidekabinen. Bunte Schmetterlinge finden Platz neben kleinen und satten Bienen.

(c) Miriam Gil

Lungenschmerzen

Ich beobachte Sterne und starre auf den gelben Mond, -atme die kalte Nachtluft und rauche langsam eine Zigarette in der beinahe unerträglichen Stille der Abendstunden; mein Atem gefriert an den trockenen Lippen, - der Rauch kriecht ölig nach oben und ich verspüre all meine Rippen. Es ist als ob der Schmerz mir schon ganz tief drinnen innewohnt.

 

(c) Miriam Gil

1. Schwarze Wolken der Erinnerung

Hier ist keine Liebe - die Leichname der Engel tanzen auf den schwarzen Wolken der Erinnerung.

Sie rauchen Zigarre und wähnen sich ihren Männern nahe -

gefallene Tote auf den Hügeln des Krieges der Welt.

Schwarzer Dunst über den Schreien der Sehnsucht -

Kälte in den Federbetten der Knaben und quälende Angst in den Fratzen der Mädchen.

Am Horizont der Traurigkeit Blicke des Todes -

Raben verschwimmen im Dunkel der Nacht und legen ein Goldstück auf die Schiene der Vergänglichkeit.

Sie laben sich an einem faulen Apfel und erheben sich elegant in den Himmel der Brüder und verlorenen Väter. Und Schwestern singen die Lieder der Liebe und fallen zu Boden der Leidenschaft in Umarmung mit Freunden und Seelen der auf Erden verweilenden Geister.

Frost in der Höhle der Schlange - unerträgliche Hitze in den Bergen der Diamantengräbern.

Stille bei den Liebenden. Sich Küssend und Wiegenden.

Stolze Frauen schreiten den Abgrund hinab - passen die Lanzen der Ungerechtigkeit ab und verschmelzen in ihrem hitzigen Traum mit dem in der blutbefleckten Abendsonne silbern-schimmerndem Meeresschaum.

Sich bekämpfende Völker erstarren vor der Schönheit der Jungfräulichkeit - legen die Waffen nieder und verfallen in besoffene gemeinsame Heiterkeit.

Stolz, Vorurteil und Eitelkeit ertrinken im Rausche der sanft auf dem Boden der Geschichte abgelegten Feigheit - Einigkeit über das Leben - nach Neuem streben.

 

 

2. Die Punker

Man schimpft sie "linke Zecken" - sie hingegen sitzen gern in Ecken.

Dabei oft geile Schnecken - bleiben meist die Netten.

Wer wird sich gleich Erschrecken?

Lustige Frisuren - sie brauchen keine Uhren.

Man freut sich immer sieht man sie - zum Döschen runter auf die Knie.

Oder auf den Hosenboden. Sie strotzen allen doofen Moden.

Manche gehen schnell kaputt - sind nicht gemacht für all den Druck.

Scheiß Welt! -der Punker ist und bleibt ein Held.

No Future(!!) - und gute Musik. Mit ihnen geht so leicht kein Krieg.

Sonntag Abend

Flirrende Hitze neben der Wäscheleine – wieder einen ganzen Tag so alleine. 
Fahle Schwüle über der Stadt -Nasenbluten auf einsamen Routen
Flaschensammeln
Unter der Brücke vergammeln
Schnorren – das Bier lau und vergoren
Der Duft gemähter Wiesen auf dem Land 
Keinen Cent in der Hand 
Geht es denn noch schlimmer? Sonntag Abend immer.

(c) Miriam Gil

S-Bahnen und Güterzüge rauschen am Ostbahnhof vorbei. Breiter Bahnsteig mit sinkender rötlicher Sonne. 
Nächster Halt Trudering. Kalter Wind wirbelt zerknitterte Zeitungen auf dem Boden auf.
Gelbes Quadrat mit Sicht auf Berg am Laim. Internationale Presse und Bäckereien. 
Raben sammeln sich neben den Mülleimern und picken Brösel.

(c) Miriam Gil 
Bunte Fahnen im Wind (Für Julia) 

Die Bahn fährt durch dichten Wald und erreicht eine Lichtung - Land
Noch zwei Stationen vorbei an Höfen und Wiesen; Lärmschutzmauern 
Stadtbahnhof - dreckige Metallstühle 
- eingeschmissene Glas Werbetafel - Kippen auf dem Boden
Das Lieblingsrestaurant meiner Freundin-bunte Fahnen im Wind 
Billigbäckerei Bahnhofskiosk; Weg zum Zentrum Ärztehäuser
Und daneben der Park -Kinder liegen auf bunten Decken und lachen 
Eisdiele, Marktplatz Stadtsparkasse. 
Freunde schlendern vorbei, lassen sich nieder oder gehen weiter.
Skatepark am Rande der Kleinstadt - Kicker im Jugendzentrum 
(c) Miriam Gil

Die weiße, kahle Zimmerdecke

Komm lass uns in den blauen Himmel sehen
Auf einer Bank am Waldesrand
Tiere und andere Gebilde da oben entdecken
Ich halt dich fest und deine Hand
Du bist mein Mann und Freund 
Ich mag Dich so 
Ich wache auf, habe nur geträumt.
Von bunten wilden Wolken, einem Sommersturm Und eben Dir

 

Oh (…) da ist ja nur die Zimmerdecke und kein einzig Tier.

Reim (c) Miriam Gil _ Grafik: pixabay commons

Tee trinken mit einem Geist - man kennt ihn nicht - weiß nicht wie er heißt. Ich jedoch erinner mich - ja Du, -Du da vor dem Bildschirm - die Reime sind für Dich. 

(c) Miriam Gil

Die Wintersonne entfaltet endlich Kraft und ich entschwebe auf ihren Strahlen - die Welt um mich herum fängt an ein buntes Bild zu malen - ich tanze mit kleinen Feen und reite im Ozean auf großen schweren Walen - Es kommt zu einem lauten Ende, ein bebender, tosender Höhepunkt. Ein leiser Seufzer - steil im Fall hinab zu der wartenden Höllenqualen. Eine lange Zeit und alle Lieben um mich herum werden älter, sind allesamt noch nicht so weit. Werden es für mich nie sein, -Mut und Freundschaft erhellen der Zeiten Lauf und Schein. 

(c) Miriam Gil

Der kalte Regen verstimmt mich - der Alltag übernimmt mich.
Sorgen umtreiben mich, quälen mich, fressen mich auf. 
Und Dich? Denkst du auch noch manchmal an mich?

(c) Miriam Gil
Die Sprache ward mir einst genommen - hab sie selbst verloren. So viele Jahre nun verronnen - hab wieder eine Stimme. Glaube ich. Und manchmal -heimlich und wieder still und leise- da denk ich noch an Dich.

(c) Miriam Gil

Die bunten Fassaden bröckeln neben Starkstromkabeln und Elektrokästen - holprige Kieswege führen auf Kopfsteinpflaster - daneben Löwenzahn, Brennessel. 
Vereinzelt Feldblumen blau und rot. Mohn. 
Viel Futtermais. Dicke Kühe mit strähnigem Haar. 
Chlorschwaden vom Freibad - Graffiti. 
Edelstahl spiegelt sich im blauen Wasser.

(c) Miriam Gil

 

Frische Brise am Abend, 
stundenlanges Warten auf die Tram. 
Leidenschaftliche Musik dröhnt aus dem MP3-Player
-er hat ein Bier in der Hand und schläft fast ein. 
Und da kommt sie endlich: die Bahn. 
Auf dem Sitz ganz hinten - verschmierte Fenster. 
Die Stadt rauscht an ihm vorbei und er schläft den Schlaf der Gerechten - Frauen mit Taschen und Kinderwägen steigen neben ihm ein und aus 
-er will nur eines: schnell nach Haus. 

(c) Miriam Gil
Warmer Teer

Regentropfen klopfen an mein Fenster 
Sie trommeln sanft an der Scheibe und ich denke mir, 
wie es früher einmal war: güldener Blütenstaub verzauberte die Landschaft und die warmen Sommerabende schienen nicht enden zu wollen. Der Teer der nächtlichen Straßen wie ein Heizkörper.
Der Winter ist fast vorüber und ich träume von einem warmen Gewitter.
Donner und Blitz begleiten mich auf dem Weg nach Hause
Nasse Haare kleben auf meiner Stirn und ich renne in Sandalen
Fast rutsche ich aus und ich stelle mich unter ein Vordach des Nachbarn
Die Blumen verströmen einen starken, süßlichen Duft, die Blüten glitzern in der Feuchtigkeit 
Die Insekten verstecken sich vor der Himmelsgewalt
Ich renne nach einer kurzen Pause einfach weiter – mache an keiner Ampel halt. 

(c) Miriam Gil

Only stand

Gray-bluish, velvety mist over the sleepy poppy fields
Wheat fields swing with moist and bulging ears in the balmy wind.
The air quakes.
Pebbles tremble under the hiking boots
- lonely forests.
A tornado of thousands,
sparking,
colorful butterflies jump over the fields
Neon-colored flashes brighten the horizon and paint their pictures in the muggy morning air
A passerby stands on the gravel path and looks with astonishment at the natural spectacle - lets his eyes rest on the shadow of the missiles.
Will not go on but in the face of the colors
easy
just
stand.

 

 

 

Nur stehen

Grau-bläuliche, samtene Nebelschwaden über den verschlafenen Mohnwiesen 
Weizenfelder schwingen mit feuchten und prall gefüllten Ähren im lauen Wind.
Die Luft bebt.
Kieselsteine zittern unter den Wanderschuhen 
- einsame Wälder. 
Ein Tornado aus tausenden, 
funkensprühenden, 
bunten Schmetterlingen schnellt über die Felder
Neonfarbene Blitze erhellen den Horizont und malen ihre Bilder in die schwül-stehende Morgenluft
Ein Passant bleibt auf dem Kiesweg stehen und blickt erstaunt auf das Naturspektakel - lässt seinen Blick auf den Schatten der Flugkörper ruhen.
Will nicht weitergehen sondern im Antlitz der Farben 
einfach 
nur 
stehen.

(c) Miriam Gil